Monday, 22. Jun. 2020

Joseph Lauber als «Projekt»

Wie ein musikalischer Schatz aus der Taufe gehoben wird.

JOSEPH LAUBER - Welteinspielung seiner 6 Sinfonien

Warum eine Gesamtaufnahme der Sinfonien von Joseph Lauber – meine persönliche Motivation zum Projekt

Als Flötist und Kammermusiker begegnete ich den Werken von Joseph Lauber (1864-1952) immer wieder. Seine Cinq essais für Flöte und Streichtrio, das bedeutende Trio für Flöte, Violine und Viola sowie das Flötenkonzert haben mich in den jüngsten Jahren so sehr begeistert, dass ich mir – mit verdankenswerter Unterstützung von Frau Verena Monnier, Bibliothekarin der Universitätsbibliothek Lausanne – während mehrerer Besuche den Nachlass dieses wie mir scheint zu Unrecht vergessenen Schweizer Komponisten bzw. einige ausgewählte Orchesterwerke sichtete.

Zu seiner Zeit einflussreiche Persönlichkeit, heute zu Unrecht vergessen

Da ist zunächst seine Biographie zu erwähnen: Joseph Lauber wurde 1864 als Sohn eines einfachen Schneidermeisters im luzernischen Ruswil geboren, die Familie sah sich ein Jahr nach der Geburt zum Umzug nach Le Locle (Kanton Neuenburg) gezwungen, nachdem ihr Haus niedergebrannt war. Da Vater Lauber nicht nur Handwerker, sondern auch ein passionierter Amateurmusiker war, übernahm er die Leitung der Blasmusik in Fleurier. Er erteilte beiden Söhnen Instrumentalunterricht. Joseph Lauber spielte bereits als Zehnjähriger in der neu gegründeten Musikkapelle «L’orchestre Lauber» als Pianist mit. Später, unterstützt durch den Mäzen Carl Russ-Suchard, konnte der junge Musiker in Zürich studieren und wurde dort vor allem von Friedrich Hegar, dem Gründer des Zürcher Konservatoriums gefördert. Dieser führte ihn in der Tonhalle ein, stellte ihn Johannes Brahms vor, übertrug ihm früh die Verantwortung für eine Konzertausbildungsklasse, schickte ihn zur Weiterbildung zu Rheinberger nach München. Lauber war 1900 Mitbegründer des Schweizerischen Tonkünstlervereins und ab 1901 Erster Kapellmeister am Grand Théâtre in Genf, wo er Erstaufführungen u.a. von Puccini und Massenet dirigierte. Bei letzterem hatte er auch einen Kompositionskurs in Paris besucht. Auch in Genf war er Kompositions- und Orchestrationslehrer, u.a. von Richard Flury, André François Marescotti, Bernard Reichel Emil Frey, Henri Gagnebin. Seinem bedeutendsten Schüler Frank Martin hat er während 6 Jahren umfassenden Privatunterricht gegeben.

Ein Schweizer Nationalkomponist

Luzern, Neuenburger Jura, Zürich, Genf, München, Paris, sowie das Maiensäss in Les Plans sur Bex, wo er sich in den Sommermonaten zum Komponieren und zum Wandern und Bergsteigen zurückzuziehen, bilden die geograhischen Eckpunkte seiner künstlerischen Biographie.

Joseph Lauber vereint in sich die Deutschschweiz und die Romandie, sein künstlerisches Rüstzeug wurde von der deutschen Spätromantik in München und von den Anfängen des Impressionismus in Paris beeinflusst. Dazu kommt der alpenländische Volkston: er geht auf sein Mitwirken als Kind in der Familienkapelle zurück und festigt sich während seiner Schaffensaufenthalte in den Waadtländer Alpen. Die erste Sinfonie wird nach einem erhabenen Es-Dur Akkord von einem (Alp)hornruf eingeleitet, welcher an das Finale von Brahms’ Erster Sinfonie anzuknüpfen scheint.

In kurzer Zeit (1895(96) entstehen in Les Plan sur Bex die erste, zweite und dritte Sinfonie, die bedeutend grösser bzw. impressionistischer besetzten Sinfonien Nr. 4 und 5 folgten 1913 und 1918, die 6. Sinfonie, undatiert, aber 1952 durch das OSR unter Ernest Ansermet aufgenommen, spricht eine klassizistische Sprache und ist für ein kleines Orchester geschrieben.


Theater Orchester Biel Solothurn TOBS, Sinfonie Orchester Biel Solothurn
Kaspar Zehnder, Dirigent und Text
Schweizer Fonogramm
Tonstudio ADCSound
Editions BIM – International Music Publishing

 



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