Mittwoch, 20. Mär. 2019

Kritiken zum Konzert der Filharmonie Hradec Králové 15.3.2019

«…ein großartiges Ereignis, nicht nur dramaturgisch...»

«…man hat der musikalischen Welt gezeigt, wie grossartig das Blech in Hradec Králové aufgestellt ist. Ich habe so etwas schon lange nicht mehr gehört, auch nicht bei weitaus berühmteren Orchestern. Es ist mir eine Ehre, dies öffentlich zu vermitteln…»

Nach der Pause ist es ausgebrochen! Ich habe den «Sacre» schon so oft von Aufnahmen gehört, unter denen ich Ančerls Konzeption mit der Tschechischen Philharmonie vom Frühjahr 1963 sehr schätze. Er behauptete, dass dieses Werk hauptsächlich in konstantem Rhythmus gespielt werden muss. Und zum Glück war der Dirigent, der dem Orchester magmatische Macht verlieh, offensichtlich gleicher Meinung. 

Die Philharmoniker tranken buchstäblich Blut, doch sie überforderten sich nicht, jede Instrumentenfarbe blieb lesbar, die Hölzer transparent. Der Erfolg einer solch anspruchsvollen Arbeit liegt in der absoluten Balance des gesamten Körpers. Und natürlich im dynamisch schwangeren und präzisen Dirigentenstab.

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Obwohl der «Sacre du Printemps» ein heidnisches Ritual ist, das die engste Verbindung des Menschen mit seinem eigenen Körper und seiner Natur darstellt, wurde ich im zweiten Teil vom einer Art orthodoxen Gesangs fasziniert. Diesem war ein Mysterium von Kontrabässen und Hörnern vorausgegangen. Als Schlussfolgerung folgte ein aufregender Orchesterausbruch, wie ich ihn noch nie zuvor gehört hatte…. Jan Hocek

Strawinskys «Sacre du Printemps» ist eine Ikone der modernen Musik. Die Live-Aufführung des Stücks ist für den Hörer eine Erfahrung - nicht nur akustisch, sondern auch visuell -, welche die beste Aufnahme nicht ersetzen kann. Für Orchester und Dirigent ist bleibt das Stück eine Herausforderung, bedeutet fünfunddreißig Minuten Konzentration, vergleichbar mit einer spirituellen Übung, in der das Sein in der Gegenwart der Imperativ ist. Der «Sacre» ist ein symbolischer Meilenstein in der europäischen Musikgeschichte und klingt nach hundert Jahren (in seiner ursprünglichen Ballettform, die 1913 uraufgeführt wurde) nicht "alt", er ist immer noch Quelle, aus der man Wissen zieht und sich orientiert. 

In seiner ersten Saison als Chefdirigent hat Kaspar Zehnder diesen Meilenstein programmiert, und wenn wir nicht erst Mitte März hätten, würde ich das Abonnementkonzert 14. März 2019 als das Ereignis des Jahres bezeichnen. Musikalisch, kulturell und sozial.

Der «Sacre du Printemps» wurde von den Philharmonikern unter ihrem neuen Chefdirigenten brillant gespielt. Grundlage der Aufführung war eine sorgfältige Vorbereitung, die sich auf den Ausdruck des Ausdrucks konzentrierte. In der Tat scheint dies ein charakteristisches Merkmal von Kaspar Zehnders Dirigierkunst zu sein - dass er die Geste nicht nur mit den Händen, sondern mit seinem ganzen Körper gibt. Bereits Bernsteins Divertimento war im wahrsten Sinne des Wortes eine choreografische Leistung des Dirigenten. Das Stück gab aber auch den Solisten sämtlicher Register die Möglichkeit, das Vertrauen in ihre technischen Möglichkeiten zu stärken: die Philharmonie Hradec Králové ist heute eines unserer besten Orchester.

Im Wesentlichen ist Bernsteins Komposition eine ansprechende Stilisierung populärer musikalischer Idiome unterschiedlichster Herkunft (ähnlich wie Nino Rotas Musik für Fellinis Filme) und etablierte eine gute, entspannte, kommunikative Atmosphäre im Saal.

Das Orchester spielte zweimal vor ausverkauften Reihen. Das Publikum von Hradec Králové ist empfänglich für Stimmungen, eine so konzentrierte Stille wie an manchen Stellen des «Sacre» aber auch schon zuvor bei Bernstein und Mozart, habe ich lange nicht in einem Konzert erlebt. ...Wanda Dobrovská

Programm
Leonard Bernstein | Divertimento pro orchestr
Wolfgang Amadeus Mozart | Fagotový koncert B dur K 191
Igor Stravinskij | Svěcení jara (Le Sacre du printemps), scény z pohanské Rusi o dvou částech